Warum die TGA im Krankenhausbau früher an den Planungstisch gehört.
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Im Krankenhaus ist die Gebäudetechnik Teil der Funktion
Bei einem Krankenhaus lässt sich die Technische Gebäudeausrüstung kaum nachträglich in einen bereits weitgehend fertigen Gebäudeentwurf „einpassen“.
OP-Bereiche benötigen andere technische Voraussetzungen als Pflegestationen. Intensivmedizin stellt andere Anforderungen an Versorgungssicherheit und Redundanz als Verwaltungsflächen. Hinzu kommen Medizingase, Kälteversorgung, Raumlufttechnik, Sicherheitsstromversorgung, Gebäudeautomation sowie zahlreiche Schnittstellen zu Medizin- und Labortechnik.
Diese Systeme benötigen Flächen, Schächte und klar definierte Leitungswege.
Werden diese Anforderungen erst berücksichtigt, wenn Grundriss, Tragwerk und Raumhöhen weitgehend feststehen, wird aus Planung schnell Anpassungsplanung.
Viele spätere Probleme entstehen sehr früh
Typische Konflikte kennt nahezu jedes größere Bauprojekt:
- Technikzentralen sind zu klein dimensioniert.
- Installationsschächte reichen für die tatsächliche Leitungsdichte nicht aus.
- Lüftungskanäle kollidieren mit Tragwerk oder anderen Gewerken.
- Abhangdecken müssen tiefer ausgeführt werden als vorgesehen.
- Wartungs- und Zugangsflächen fehlen.
- Leitungswege werden unnötig lang oder kompliziert.
In frühen Planungsphasen lassen sich solche Fragen häufig noch vergleichsweise einfach lösen. Je weiter ein Projekt fortgeschritten ist, desto größer werden dagegen die Auswirkungen einer Änderung.
Aus einer verschobenen Leitung kann dann eine Anpassung des Tragwerks entstehen. Aus einer fehlenden Technikfläche möglicherweise eine Grundrissänderung. Und aus vielen kleinen Änderungen entstehen zusätzliche Abstimmungen, Nachträge und Terminrisiken.
Nicht mit Technik beginnen, sondern mit Anforderungen
Frühzeitige TGA-Planung bedeutet dabei nicht, sofort Anlagen auszulegen oder Leitungen zu modellieren.
Am Anfang stehen vielmehr grundlegende Fragen:
- Welche medizinischen Nutzungen sind vorgesehen?
- Welche Bereiche sind besonders versorgungskritisch?
- Welche Redundanzen werden benötigt?
- Welche Betriebszustände müssen berücksichtigt werden?
- Welche zukünftigen Erweiterungen sind denkbar?
- Wie sollen Energieeffizienz und Versorgungssicherheit miteinander verbunden werden?
- Und welche Flächen benötigt die technische Infrastruktur dafür?
Diese Fragen beeinflussen den Gebäudeentwurf erheblich.
Planung muss auch den späteren Betrieb berücksichtigen
Hinzu kommt ein Punkt, der in der Diskussion über Baukosten manchmal zu kurz kommt: Ein Krankenhaus wird nicht für die Fertigstellung geplant, sondern für jahrzehntelangen Betrieb.
Technische Anlagen müssen zugänglich, wartbar und im Idealfall austauschbar sein, ohne größere Bereiche des Krankenhauses außer Betrieb nehmen zu müssen. Das betrifft beispielsweise Lüftungszentralen ebenso wie elektrotechnische Anlagen, Pumpen, Kälteversorgung oder zentrale Verteilungen. Eine technisch gerade noch mögliche Lösung ist deshalb nicht automatisch eine gute Lösung.
Der größte Planungsspielraum liegt am Anfang
Mit fortschreitender Planung nimmt der Einfluss auf Kosten, Funktion und technische Qualität ab. Gleichzeitig wird jede Änderung aufwendiger. Deshalb ist eine früh eingebundene TGA-Fachplanung gerade bei komplexen Gesundheitsbauten wesentlich mehr als die spätere Dimensionierung technischer Anlagen. Sie hilft dabei, schon im Entwurf die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Architektur, medizinische Nutzung und Gebäudetechnik am Ende tatsächlich zusammenpassen.
Der entscheidende Hebel liegt damit häufig nicht in der späteren Optimierung, sondern ganz am Anfang des Projekts.